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Ich bin überzeugt, dass Kunden mit Werbung auch unterhalten werden wollen. Und daher scheint mir das Spiel mit gängigen Klischees oder erkennbaren ironischen Übertreibungen als akzeptabel und vom Kunden durchaus gewollt. So glaube ich nicht, dass Männer ernsthaft erwarten, dass die Verwendung von Axe dazu führt, das sich Heerscharen junger Frauen auf den Weg machen, dem Verwender willenlos zu folgen. [Auch wenn das der Traum von vielen von uns ist: Anm. d. Redaktion] Ebenso ist mir kein Fall bekannt, in dem ein Mann sich ernsthaft bei der Brauerei Carlsberg darüber beschwert hätte, dass die Frauen in seiner Umgebung nicht von Bier zu Bier schöner und erotischer werden. Ebenso gehe ich davon aus, dass jedem Verbraucher klar ist, dass der Genuss von Bacardi ihn nicht automatisch mit lauter schönen und entspannten Menschen auf eine Insel in der Südsee oder Karibik beamt … trotzdem kann er vielleicht ein wenig von dem vermittelten Lebensgefühl in sich aufnehmen.
Produkte, die eigentlich niemand braucht, müssen und sollen mit emotionalen und unterhaltsamen Werten aufgeladen werden. Aber die Bereitschaft, Übertreibungen hinzunehmen endet sicherlich da, wo über faktische und grundlegende Eigenschaften getäuscht oder gefährliche Risiken und Mängel bewusst verschleiert werden.

Im Dialogmarketing geht es nicht mehr darum, Produkte emotional mit Werten aufzuladen oder durch ironische Überspitzung aufmerksam zu machen. Der Dialog dient dazu, beim Kunden – vielleicht gerade durch solche Werbung entstehende – Fragen zu beantworten und ihm in der Produkte-, Tarif- oder Sortimentsvielfalt eine Orientierung zu geben.
Lügen sind hier fehl am Platze und führen zwangsläufig zu einer Enttäuschung, die schnell in eine negative Publizität mündet. Übertreibungen lösen keine Verständnisprobleme sondern sie vertiefen diese und bieten somit keine Hilfe. Dialoge bedeuten, dass ich etwas für mich relevantes erfahren möchte, um meine Entscheidung zu treffen. Vielleicht muss ein Unternehmen auch im Dialog nicht alles sagen, was es weiss – insbesondere wenn nicht danach gefragt wurde. Aber die Antworten, die der Dialog gibt, die müssen erlebbar und belegbar richtig sein.
Hier gilt der alte Grundsatz: “Man muss nicht alles sagen, was wahr ist. Aber alles was man sagt, muss wahr sein.” Die Kunst liegt vielleicht auch darin, den richtigen Übergang aus den “akzeptierten Übertreibungen” der Werbung in die realen Dialoge des Dialogmarketings zu gestalten. Etwas, was auch schon immer eine Herausforderung für den Vertriebs darstellt.
Denn Vertrieb und Dialogmarketing sind hier offensichtlich viel enger verbandelt, als Dialogmarketing und Werbung. Trotzdem sollte die Werbung auch auf die Möglichkeiten der Anknüpfung von Dialog und Vertrieb an die eigenen Stories achten – sonst bleiben diese als isolierte Säulen zum Selbstzweck stehen und verlieren den Bezug zum eigentlichen unternehmerischen Auftrag.
Übrigens passiert dieses durchaus häufiger, als es öffentlich wahrgenommen wird. Viele Werbekampagnen haben inzwischen in einem kreativen Multi- und Omnichannelwahn den Bezug zum tatsächlichen Business ebenso verloren, wie die Finanzmärkte den Bezug zur Realwirtschaft. Börse und Werbung sind gleichsam oftmals dem Selbstzweck gewidmet. Beide bauen Scheinwelten auf, die sich in der Realwirtschaft nicht wiederfinden lassen und haben den Bezug und den Zugang zum Verbraucher lange verloren – auch wenn sie dem Anschein nach erfolgreich sind.

Manchmal könnten die Dinge so einfach sein.

Gedanken zur „Ausweglosigkeit“ der Textilwirtschaft in einer globalisierten Welt.

Es ist schon eine Krux mit dem nachhaltigen Handeln. Sozial soll etwas sein – und gleichzeitig ökologisch verantwortlich, Ressourcen schonend und Klima neutral – und dann auch noch ökonomisch sinnvoll. Und dann soll man nicht darüber sprechen, was man tut – denn Bescheidenheit schmückt den Engagierten und eigentlich ist das „Drüber-Reden“ eh nur eine öffentliche Beruhigung des Gewissens. Aber wenn man nicht darüber spricht, dann merkt es doch keiner, und dann kann keiner dem Vorbild folgen und dann ändert sich doch auch nichts. Und dann soll das ganze auch noch in einer komplexen globalisierten Welt funktionieren. In einer Welt, in der Wirkung und Gegenwirkung so miteinander verwoben sind, dass man unterm Strich eigentlich nichts richtig machen kann.
Ein Beispiel gefällig? „Act local, think global.“ ist der Leitsatz von erfolgreichen Unternehmern und Unternehmerinnen, die auch viele Auszeichnungen im Umfeld nationaler Nachhaltigkeitspreise und viel öffentliche Aufmerksamkeit ernten. Doch schaut man hinter diesen Leitsatz, dann tun sich Fragen auf – Fragen die sicherlich auch unter der Bemerkung „Ist ein Deutscher Nachhaltigkeitspreis nicht ebenso paradox absurd, wie eine Deutscher Fußball Weltmeisterschaft?“ Betrachten wir einfach einmal das Näherinnen-Dilemma! Dieser Tage wird eine deutsche Unternehmerin dafür ausgezeichnet, dass sie mit lokalen Arbeitskräften und lokal hergestellten Stoffen aus lokaler Landwirtschaft Textilien herstellt. Mit der Lokalität ist es allerdings schon vorbei, wenn wir auf den Vertrieb schauen! Keine Rede mehr von einem geschlossenen lokalen Wirtschaftskreislauf! In ganz Deutschland können die Waren gekauft werden – im Online-Shop (mit anschließender Paketlogistik!!!) oder über ins Haus kommende Beraterinnen und natürlich auch ins europäische Ausland – aber in die Schweiz nur mit Tricks! Hmmmmm! Diese Dame ist übrigens auch als Bloggerin sehr aktiv – und kommentiert die Geschäftsmodelle anderer Unternehmer und deren vermeintlich mangelndes Bewusstsein für Nachhaltigkeit – und dann schreibt sie Artikel darüber, dass alle Nachhaltigkeit doch nur Lug und Trug und das Spiel mit dem Gewissen der Kunden ist. Hmmmmmmmm!
Was wäre also nun, wenn es sich nicht um den Erfolg einer kleinen Unternehmerin sondern um das Geschäftsmodell eines Milliarden-Euro-Bekleidungskonzerns handeln würde. Näherinnen in lokalen Fertigungen zu beschäftigen und fair zu entlohnen ist sicher eine gute Entscheidung. Doch sind der Import von Textilien und der globale Einkauf von Dienstleistungen in der Textilherstellung zwei der wesentlichen Import-Geschäfte des ehemaligen Exportweltmeisters, der nach wie vor mit einem riesigen Exportüberschuss den Weltmarkt bedient – was eben andere Märkte auch heute durchaus in Notlagen bringt. Jetzt also auch noch Textil-Exporteur!? Der Verzicht auf den Einkauf von entsprechenden Waren und Dienstleistungen in großem Stil ist also im Sinne einer fairen und ausgeglichenen Handelsbilanz sicher nicht nachhaltig. Der Einkauf bei einer lokal produzierenden Unternehmerin ist also eher eine Beruhigungspille für das geplagte Gewissen denn eine generelle nachhaltige gesellschaftliche Handlungsmaxime. Die Näherinnen in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind ein wesentlicher Beitrag für den Außenhandel und zur Wettbewerbsfähigkeit der entsprechenden Staaten. Wer dieses nicht berücksichtigt, handelt alles andere als Nachhaltig.
Dass nun der Vorwurf der Ausbeutung der Arbeiter in den Billiglohnländer im Raum steht, ist abzusehen. Beschäftigen wir uns also mit dem Thema der fairen Entlohnung. Die Frage nach einer angemessenen Bezahlung einer Näherin im fernen Osten richtet sich dabei sicherlich nicht nach einem Vergleich mit den bei uns zu bezahlenden Löhnen sondern nach dem regionalen Lohnniveau – und ist ebenso Bestandteil einer Wettbewerbsfähigkeit, wie einer Mentalität und einer sozialen Regulierung in den entsprechenden Ländern. Da wir entsprechende Dienstleistungen aus diesen Staaten nutzen und einkaufen können, aber keine oder nur in geringem Umfang die Leistungen von Ingenieuren, Akademikern und anderer qualifizierter Tätigkeiten, können unsere Unternehmen und Einkäufer auch nur Einfluss auf diese Preis- und Entlohnungsgestaltung nehmen. Bezahlt aber ein regionaler Unternehmer in Asien auf Grund des Einflusses deutscher Konzerne seinen Näherinnen deutlich höhere Löhne, dann bedeutet dieses, dass qualifizierte Frauen lieber Näherin werden, um die Familie zu ernähren, als einen qualifizierten Beruf anzustreben. Damit werden Frauen absehbar aus der weiterführenden und höheren Bildung ausgeschlossen – mit dem Blick des Westens findet hier also eine Diskriminierung statt . Zahlt man weniger, dann natürlich auch – diskriminierende Ausbeutung könnte der Vorwurf lauten. Gleichzeitig gehen qualifizierte und talentierte Frauen für den Aufbau moderner und qualifizierterer Arbeitswelten verloren. Also ist es nicht als nachhaltig zu bezeichnen, wenn eine Näherin in einem entsprechenden Land mehr verdient, als eine Ingenieurin. Es ist Aufgabe der regionalen Systeme vor Ort, hier eine Lohnregulierung vorzunehmen. Doch für die Konzerne geht das Näherinnen-Dilemma noch weiter: Zahlen sie trotzdem an den Unternehmer in Asien und anderen Teilen der Erde „angemessene“ Preise, die dieser auf Grund der Lohnstruktur in seinem Land nicht an die Mitarbeiterinnen weitergeben kann oder will, dann ernten die Konzerne den Vorwurf, Ausbeuter zu unterstützen. Zahlen Sie dem Unternehmer nur den angemessenen Aufschlag auf die Löhne, dann wird ihnen Geldkolonialismus und Preisdumping vorgeworfen. Engagieren sich die Konzerne direkt vor Ort mit sozialen Programmen, um den Kindern der „schlecht bezahlten“ Näherinnen z.B. Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung zu ermöglichen, so wird dieses entweder als scheinheilig oder als Sozialkolonialismus interpretiert. Dabei ist sicher zu befürchten, dass diese Förderprogramme allzu oft unseren westlichen Vorstellungen von Gesellschaft, Bildung und Förderung entsprechen und damit tatsächlich so etwas wie ein Sozialkolonialismus darstellen – und eher zu einer Destabilisierung der entsprechenden Regionen beitragen. Für eine solche Destabilisierung braucht es nämlich keineswegs immer die kriegerische Demontage etablierter aber nicht unseren Vorstellungen entsprechender gesellschaftlicher Ordnungen. Zum „Think global.“ gehört eben wohl auch der Respekt vor der gesellschaftlichen Ordnung der einzelnen Regionen dieser Welt und der Verzicht darauf, die familiären Strukturen, gesellschaftlichen Ordnungen und wirtschaftlichen Gepflogenheiten mit unseren westlichen Maßstäben bemessen und bewerten zu wollen. Dabei wollen wir einmal außer Acht lassen, dass man sich in Zeiten von immer schneller aufeinanderfolgenden Finanzkrisen, notwendigen Währungsinterventionen und überbürdender Staatsverschuldungen der Industrieländer durchaus fragen muss, woher wir eigentlich die Arroganz nehmen, anderen Ländern den Weg für eine gesellschaftliche Ordnung aufzeigen zu wollen.
Um also auf das Beispiel unserer ausgezeichneten Textilunternehmerin zurück zu kommen: Wer „Act local. Think global.“ leben will, der darf seine Waren eben auch wirklich nur in einem geschlossenen Wirtschafts-, Waren- und Ressourcenkreislauf anbieten. Sobald er im Sinne einer Verbesserung seiner wirtschaftlichen Situation oder in der Auswertung einer Wettbewerbsposition oder eines Wettbewerbsvorteils diesen Kreislauf verlässt, dann unterliegt er oder sie eben weitaus komplexeren Zusammenhängen. Und ob eine Näherin in Bangladesch, die von ihrem – nach unseren Maßstäben – viel zu kleinen Gehalt, mit – nach unseren gesellschaftlichen Vorstellungen – zu langer Arbeitszeit und – nach unseren Sozialkriterien – nicht ausreichender Fürsorge, ihre Familie ernährt, einer deutschen Unternehmerin einen Nachhaltigkeitspreis verleihen würde, die ihr auch diesen Job streitig macht, wage ich zu bezweifeln. Und darum ist Bayern München am Ende der Saison eben auch nicht „Fußball Weltmeister“ – denn bis dahin haben sie sich nur mit deutschen Maßstäben messen müssen.
Nachhaltigkeit ist eben immer relativ – und vor allem relativ schwierig. Deshalb ist mir jeder lieb, der versucht in seinen Möglichkeiten etwas zu tun und nicht das Engagement anderer herabzuwürdigen. Wer im Glashaus sitzt …
Deshalb unterstütze ich den Sustainable Entrepreneurship Award (sea) , der Erreichtes bewertet und Engagement fördert und nicht Besserwisserisches.

Immer mehr Menschen erleiden einen Burnout – kommen mit der Verantwortung für ihr Leben und in ihrem Beruf nicht mehr zurecht. Und nun sollen diese Menschen im Rahmen der großen Demokratisierung der Welt, für die das soziale Web 2.0 inzwischen in den Augen vieler
Visionäre steht, über öffentliche Bauprojekte, Regierungsvorhaben, Produktentwicklungen, Verpackungsdesigns oder über die Transferpolitik ihres Lieblingsvereins mit entscheiden? Skurrile Krankheitsbilder kommen auf. Schon heute gehört die so genannte Facebookdepression zu den zahlenmäßig am schnellsten wachsenden Jugendkrankheiten. Perfekt wird der Cocktail, wenn sich das in der jungen Generation weit verbreitete Cybermobbing hinzugesellt.
Wir sind offensichtlich nicht vorbereitet auf diese virtuelle „Welt“ mit ihrer Informationsflut und Masse an Erwartungen an uns. Wird nach Cybermobbing und Facebookdepression in Kürze die Welle des Cyberburnouts auf uns zurollen? Also jene Überforderung mit den durch
das Web 2.0 an die Menschen herangetragenen Entscheidungen? Wird unsere Gegenreaktion ein pathologisch bedingtes Cocooning sein? Alles wiederholt sich! Auf der Höhe des Trends zur Kundenkarte fragten sich die Unternehmen als Herausgeber dieser Kundenbindungsinstrumente, wie viele Kundenkarten ein Mensch wohl bräuchte – wie viele Karten Platz in einer Geldbörse hätten. Die Antwort kam schnell und war denkbar einfach: Nicht viele! Also schlossen sich verschiedene Unternehmen zusammen oder professionell betriebenen Kartensystemen an. Auch von diesen Karten gab es bald mehr, als der Mensch und der Markt brauchten – und so sind einige schon wieder verschwunden. Die gleiche Mechanik vollzieht sich nun auch im Web 2.0. Die Unternehmen wollen Interaktion und Beziehungen – mit echten Kunden.
Aber statt eigene Strategien zu entwickeln und diese markt- und kundengerecht und omnipräsent über alle Kanäle zu entwickeln, setzen
sie auf die derzeit im Trend stehenden sozialen Netze. Und schon heute gibt es mehr, als der normale Verbraucher nutzen geschweige denn
ein Unternehmen bedienen kann.
Und während die ersten Vertreter wie Second Life schon wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind, entstehen noch immer neue soziale Netzwerke. Man denke nur an Google+. Allesamt Plattformen für die Interaktion mit Freunden, geschäftlichen Kontakten und zur Verbreitung von Meinungen. Doch hier ist bereits absehbar, dass am Ende der Austausch mit dem echten Kunden und der Aufbau echter Beziehungen auf der Strecke bleiben werden.
Man wird überschüttet von Posts, Mails, Instant Messages und vielem mehr. Hilferufe finden sich massenhaft auf den Seiten. Brauchen wir
das alles überhaupt? Machen wir uns da nicht etwas vor? Entsteht hier nicht ein Overload? Und – wo ist der Filter, der uns beschützt?
Es wird sich ein gesunder Abwehrmechanismus bei den Menschen einstellen: Freizeit von allen sozialen Plattformen, Cocooning der klassischen Form.
Wohl dem Unternehmen, das seine Finanzen, Kräfte und Ideen sinnvoll und mit Umsicht eingesetzt hat. [Das Statement finden Sie auch in der akutellen Ausgabe der c´mag Nr. 14 unter www.die-da.com

Nachhaltigkeit!

Ob man Studien jetzt grundsätzlich vertrauen kann oder mag oder eher eine gewisse Skepsis bei entsprechenden Veröffentlichung an den Tag legt, sei jedem überlassen. Aber dass es allem Anschein nach, einen nicht von der Hand zu weisenden Zusammenhang zwischen nachhaltigem Handeln und einer gesunden Staatsfinanz gibt, zeigt die Bedeutung nachhalitgen Handelns auf. Und gerade die aktuellen Ratingdiskussionen zeigen auf, dass die Finanzierung von Staaten und Unternehmen an den internationalen Finanzmärkten unter immer ähnlicheren Bedingungen stattfinden. Ein Grund mehr für Unternehmesleitungen, sich als Entrepreneure für Sustainability zu engagieren. Und auch, sich öffentlich entsprechend zu positionieren … nur so können Unternehmen von den anscheinend nötigen aber in jedem sinnvollen und hoffentlich folgenden Neuausrichtungen von Bewertungen und Ratings für die eigene Finanzausstattung und Finanzierungssituation profitieren.
Studie: Euro-Krise lag an der Ressourcen-Verschwendung – DAS INVESTMENT
www.dasinvestment.com

Die Ausgangslage: http://www.it-business.de/index.cfm?pid=2379&pk=328462&nl=1&cmp=newsletter_it%2Dbusiness%20today_29-08-2011#kommentieren

Meine Antwort:

Sehr geehrte Damen und Herren,
als Anbieter für Dienstleistungen zur Prozesssteuerung und zur Datenverarbeitung im Marketingumfeld beschäftigen meine Partner, Mitarbeiter und ich uns seit vielen Jahren mit der Umsetzung eines rechtlich, emotional und moralisch nachvollziehbaren und somit auch über Gesetzestexte hinweg im Sinne des Anwenders/Kunden stehenden Datenschutzverständnisses.
In der Begründung der Rechtsanwaltskanzlei aus Kiel zu ihrer Rechtsauffassung heißt es sinngemäß, dass die Anwender einer FB-Fansite oder eines “Gefällt mir”-Button rechtlich nicht für eine ggf. unzulässige Datenübermittlung an FB verantwortlich sein könnten, da sie nicht die im Gesetz und in der europäischen Richtlinie geforderte vollständige Kontrolle über Art und Umfang der Datenübertragung hätte sondern lediglich ein Angebot eines Dritten nutzen – und dass insbesondere mit der Nutzung keine Datenverarbeitung zum eigenen Zwecke verbunden sei.
Ich kann diese Rechtsauffassung nicht nachvollziehen! Nach meiner Einschätzung ist jeder Anbieter eines Dienstes oder einer Datenverarbeitung dafür verantwortlich, dass im Rahmen der Nutzung der von ihm angebotenen Dienste keine Verstöße gegen Datenschutzbestimmungen begangen werden. Jeder Auftraggeber eines Call-Centers, Lettershops oder anderer Dienstleister hat zu dokumentieren, dass er sich von der datenschutzrechtlichen Unbedenklichkeit des Anbieters überzeugt hat. Die Beauftragung eines Dienstleisters, der eine entsprechende Einhaltung der Bestimmungen nicht glaubhaft darstellen oder nachweisen kann, ist dabei bereits ein Verstoß gegen geltendes Recht. Die Nutzung eines Dienstes, der nachweislich gegen geltendes Recht verstößt, kann dann wohl nicht mit der Begründung der “fehlenden Einflussnahme auf die tatsächlich übertragenen Daten” toleriert werden.
Ich sehe daher im Vorgehen des ULG die einzig sinnvolle und nachvollziehbare Möglichkeit und im Übrigen auch die Erfüllung der ihr von den Bürgern zugesprochenen Schutzfunktion. Mit ihrer Pressemitteilung haben sie deutlich gemacht, dass die entsprechenden datenschutzrechlichen Verfehlungen bei FB vorliegen, was wahrscheinlich weder dem Anwender noch dem Konsumenten in dieser Konsequenz bekannt war. Durch diese öffentliche Anzeige hat das ULG deutlich gemacht, dass die weitere Nutzung des entsprechenden Angebots einem Versäumnis der Sorgfaltspflicht im Sinne des Datenschutzes entspricht – die Androhung strafbewährter Abmahnungen verleiht diesem Nachdruck und ist absolut im Sinne der den Datenschützern zur Verfügung gestellter Mittel. Sie vollziehen damit keine Rechtsprechung wie auch kein Anwalt mit Zustellung einer Abmahnung dieses tut.
Darüber hinaus teile ich auch die Interpretation der Rechtsanwälte aus Kiel nicht, wonach die Sammlung von IP-Adressen mit dem Blick auf die Möglichkeiten zur weiteren Nutzung im Sinne personenbezogener Daten nicht relevant sei. Dieses mag nach der zitierten Auffassung des OLG Hamburg auf die Sammlung von IP-Adressen auf der Homepage eines einzelnen Unternehmens zutreffen. Hier ist dann sicherlich fraglich, ob dieses die Möglichkeiten hat, diese Daten mit weiterführenden personenbezogenen Daten zu verbinden. Und weiter dürfte fraglich sein, ob es für ein solches Handeln ausreichend kriminelle Energie bei gleichzeitig ausreichendem wirtschaftlichen Nutzen aufbringen kann. Für das Unternehmen FB ist hier sicherlich festzustellen, dass die Sammlung und Konsolidierung der IP-Adressen vieler Seiten bereits zu einer Profilbildung führt, die Rückschlüsse auf die Person ermöglicht. Zusätzlich ist nicht auszuschließen bzw. sogar anzunehmen, dass diese Daten nach amerikanischem Recht – oder dem Recht der Cap Verden oder sonstwo – auch mit anderen Daten verbunden werden können, bei denen bereits eine Verbindung zwischen einer IP-Adresse und einem personenbezogenen Datensatz vorliegt – also irgendwelchen Seiten, auf denen sich eine Person bewusst und datenschutzrechtlich unbedenklich zu erkennen gibt. Die Datenschutzregelungen sollen ja gerade ausschließen, dass Daten von Anwendern ohne deren Kenntnis und Zustimmung in Länder übertragen werden, in denen ein anderes Datenschutzverständnis herrscht als innerhalb der EU. Das FB ein Interesse an einer entsprechenden Konsolidierung zur Generierung von Erträgen aus dem Handel mit Profilen und Daten haben kann oder hat, ist wohl uneingeschränkt anzunehmen. Also ist einer der Hauptvorwürfe wohl da zu sehen, wo Daten, die zur Profilbildung geeignet sind, ohne Zustimmung des Anwenders an eine Stelle übermittelt werden, die außerhalb des Geltungsbereichs europäischer Datenschutzbestimmungen liegt. Auch wer Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen des Datenschutzes ermöglicht oder begünstigt, verstößt gegen entsprechende Rechte. Wer dieses mit einem Blick auf einen persönlichen Vorteil tut, umso mehr. Da den Anwendern der entsprechenden Funktionen nun durch das ULG klar aufgezeigt wurde, dass sie die “kostenlosen Dienste” von FB mit einem Verstoß gegen geltendes Recht “bezahlen” und somit ein erkennbarer Vorteil aus einer rechtswidrigen Handlung vorliegt, sollten sie entsprechend handeln oder die Konsequenzen in Kauf nehmen.
Zum Vorwurf, das ULG hätte seine Haltung mit anderen Datenschutzbehörden abstimmen müssen, möchte ich auf die Unabhängigkeit der Datenschützer hinweisen. Diese nehmen ja auch die Gerichte und letztlich auch die Anwälte dieser Republik für sich in Anspruch und treffen eigene Rechtsentscheidung bzw. nehmen eine nicht mit allen Berufsvertretern abgestimmte Haltung ein.
Ich möchte dem ULG zu seinem Vorgehen zustimmen und hoffe, dass andere Datenschutzorganisationen sich diesem anschließen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist eines der wichtigsten Rechte unserer Zeit. Auch FB darf dieses nicht unterwandern und schon gar nicht dürfen sich Unternehmen zum Büttel der Datensammler machen und auf ihre Machtlosigkeit berufen. Jedes Unternehmen in Deutschland hat die Macht, über die Nutzung von Fanpages und “Gefällt mir”-Button und somit auch für oder gegen die Einhaltung des grundsätzlichen Bürgerrechts zu entscheiden.
Sven Bruck
CEO die diaglogagenten, Wuppertal
sb@die-da.com
ps: Wer mit seinen Kunden einen echten Dialog führt, braucht keine (un)heimlichen Datensammlungen und wird umso bessere Kundenbeziehungen erreichen.

Wenn ich mir die Welt der sozialen Medien von 2015 ausmale, dann sehe ich vor mir die gutbewachten Wohnsiedlungen in den USA, Südamerika, und in Teilen Afrikas und Asiens. Ich denke an Geheimnummern und durch hohe Mauern abgeschirmte Grundstücke. Und ich denke an die Geheimnummern, die einen ungewollten Anruf gerade bei den Menschen verhindern, die Ihrerseits Maßnahmen mit ungewollten Anrufen bei Ihren bestehenden oder zukünftigen Kunden in Auftrag geben. Mit anderen Worten: Ich sehe das Cocooning der Eliten. Ich sehe den Mob, das Marktpotenzial oder den Pöbel, über den die Mächtigen alles Wissen und sehe, wie er sich in der virtuellen Welt nackig macht. Ich sehe, wie er immer noch glaubt, dass er selber kontrollieren kann, was über ihn öffentlich wird und wie er nicht akzeptiert, dass er diese Kontrolle schon vor 5 Jahren verloren hat. Ich sehe den für gewöhnlich so schlecht informierten Verbraucher, dass wir Gesetze brauchen, um ihn bei jeder Zigarette auf die möglicherweise tödlichen Folgen des Rauchens aufmerksam zu machen. Ich sehe den Menschen, der während seiner über Twitter angekündigten und bei Facebook geposteten zweiwöchigen Urlaubsreise ausgeraubt wird und ich sehe die Menschen, die durch nicht offen kommunizierte sondern auf das Unterbewusstsein wirkende Bannerwerbung – warum steht der Banner für Sommerreisen gerade jetzt auf meiner Facebookseite? – manipuliert werden, wie es bei Fernseh- oder Kinowerbung schlicht verboten wäre. Alles das sehe ich! Und ich sehe die Menschen hinter den virtuellen Mauern, mit den virtuellen Geheimidentitäten und den virtuellen Wächtern an der Tür zu ihrer eigenen virtuellen Welt. Ich sehe den virtuellen VIP-Bereich der Eliten – und ihr Cocooning gegen die Kontrolle. Ein Luxus für die, die es verstehen und die es sich leisten können.

Nur scheinbar meinen Menschen dasselbe, wenn Sie von Direktmarketing und/oder Dialogmarketing sprechen – oder anders gesagt: Oft sprechen sie von Dialogmarketing – meinen aber eigentlich Direktmarketing.

Was den Menschen mit seinen frühen Vorfahren – aber auch mit einigen inzwischen ausgestorbenen Varianten der Evolution – verbindet, ist der aufrechte Gang und die grundsätzliche Fähigkeit, sich unterschiedlicher Werkzeuge zu bedienen. Darüber hinaus bleiben einige unveränderte Urinstinkte als Gemeinsamkeit.

Betrachtet man die Themen Direkt- und Dialogmarketing, so zeigen sich deutliche Parallelen zur Evolution des Menschen. Die direkte Adressierung von Werbung verbindet beide und stellt so etwas wie den aufrechten Gang in der Abgrenzung zu anderen Marketingdisziplinen dar. Auch ähneln sich die eingesetzten Werkzeuge oberflächlich. Der gemeinsam erhaltene Urinstinkt drücke sich in der vermeintlichen Messbarkeit der Instrumente aus. Doch dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf – und was bleibt, ist die sichere Erkenntnis, dass das klassische Direktmarketing in der heutigen Zeit ebenso deplatziert wirkt, wie ein Neandertaler, der plötzlich in die Fußgängerzone einer moderner Großstadt versetzt wird.
Ihre Meinung

Fragte mich neulich ein Journalist:
Herr Bruck, braucht Europa mehr Kommunikation? Was lief bisher schief?
Eine schöne Steilvorlage. Ja sicher!!!
Die Organe der Union und die nationalen Regierungen haben versäumt, die Bürger in einem engen Dialog mitzunehmen, als noch eine Aufbruchstimmung zu spüren war. Sie haben zwar punktuelle Medienkampagnen gefahren, um in einzelnen Phasen die gemeinsamen Ziele zu “verkaufen” (z.B. zur Einführung des Euro) – danach aber die Menschen mit Ihren Ängsten und Fragen mehr oder weniger alleine gelassen. Wie überall in der Welt – auch in der Wirtschaft – kommen diese Punkte in “Krisensituationen” wieder auf den Tisch.

Sicherlich wäre mehr Kommunikation durch die europäischen Organe und durch die nationalen Regierungen wünschenswert! Eine strategische Kommunikation und ein damit zu verbindender offener Dialog mit den Bürgern der Union setzt aber eine entsprechende strategische Ausrichtung des Staatenbundes und seiner Mitgliedsstaaten voraus.

Mehr Kommunikation kann aber nur helfen, wenn sie glaubwürdig ist. Für Glaubwürdigkeit ist aber die Schaffung einer wertebasierten Authentizität relevant. Eine solche ist aber für die Staaten der EU nicht mehr feststellbar. Und weder ein “gemeinsames Anpacken” noch abgestimmte Haltungen sind feststellbar.

Sind die Idee von Europa und die Errungenschaften schlecht oder wissen die Menschen schlichtweg nicht, wie gut ihnen die Gemeinschaft tut?
Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem! Sicherlich sind die Errungenschaften eines gemeinsamen Wirtschaftsraums und zum Teil auch die Effekte einer gemeinsamen Währung (hier beteiligen sich ja nicht einmal alle Staaten) gerade für die Bürger in Deutschland positiv. Aber die Idee, dass in es in einer solchen Struktur allen besser geht, als vorher, ist von vornherein Absurd: Wo ein Gewinner ist, da ist auch ein Verlierer! Nun hat die Weltwirtschaft sich in den letzten Jahrzehnten stärker und extremer verändert, als es zu Gründungszeiten absehbar gewesen wäre – und da muss es erlaubt sein, die ursprüngliche Idee in Frage zu stellen, bzw. zu an die Gegenwart anzupassen.

Warum kommen die Skeptiker und Angstmacher immer zum Zug?
Heute sind die Gewinner und Verlierer innerhalb der Union deutlich zu erkennen – und die Gewinner bezahlen “negativ medienwirksam” den Preis durch Rettungsschirme und Staatshilfen. Ob unterm Strich sachlich berechnet trotzdem ein positives Saldo entsteht, interessiert die breite Öffentlichkeit dabei nicht. Wo sie stünde, wenn es die EU und den Euro nicht gegeben hätte, ist heute irrelevant in der persönlichen Wahrnehmung. Es droht schlichtweg der Verlust des Status Quo – und der fällt Menschen nicht leicht. Nirgendwo auf der Welt!

Was wäre der optimale Fall einer guten Kommunikation mit den Bürgern? Welche Kommunikationsinstrumente müssten eingesetzt werden?

Auf jeden Fall müssen verlässliche Aussagen Bestandteil und Träger der Kommunikation sein. Authentizität kann man nicht darstellen oder überstülpen, sie ist in einer Sache und einer Organisation fest verankert – oder eben nicht!
Diese könnten dann in Kampagnen und in Informationen genutzt werden und den Bürgern dabei helfen, die Werte der EU zu verstehen, sich mit der Gesamtheit oder mit einzelnen Elementen dieses Wertekanons zu identifizieren.

Das Internet hat die Unternehmen vor neue Herausforderungen gestellt. In den meisten Zielmärkten nutzen Kunden das Internet zur Information über eine Marke – und dies nach eigenen zeitlichen und inhaltlichen Kriterien. Das heißt für die Unternehmen, ihre Markenwelt und -werte über ein neues Medium zu vermitteln und hierbei deutlich weniger Einfluss auf den Informationszeitpunkt und die Dramaturgie zu haben als bei anderen Medien.

Zum zweiten ist das Internet interaktiver – die Kunden erwarten deutlich stärker auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Informationen. Die dritte Herausforderung liegt in den vernetzten Strukturen des Internets: Der Kunde nutzt neben den unmittelbar vom Unternehmen ausgehenden Informationen und Dialogangeboten auch die in der Interessensgruppe untereinander, tauscht sich aus.

Aber es zeigen sich auch enorme Potenziale. Wer es schafft, die Kunden über das Internet in einen interaktiven Dialog zu führen, bekommt schnell und mit großer Tiefe Informationen zu ihrem generellen und individuellen Werte- und Bedürfniskanon. Die hohe Individualisierbarkeit des Mediums erlaubt es gleichzeitig, auf diese Werte abgestimmt mit dem Kunden zu kommunizieren – und diese gut betreuten Kunden zum Kauf von Produkten oder dazu zu animieren, Empfehlungen auszusprechen.

Für alle Phasen der Markenbildung und –etablierung gilt: Das Feedback der Kunden muss ernst genommen werden. Nur so entsteht ein nachhaltiger Dialog und eine ebensolche Bindung an die Marke – später, eine „starke Marke“.

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